Friedrich Christian Delius, Preisträger 2004

Foto Friedrich Christian DeliusFriedrich Christian Delius wurde 1943 in Rom geboren und wuchs im hessischen Wehrda auf.
Er besuchte Gymnasien in Bad Hersfeld und Steinatal; das Abitur legte er 1963 an der Alten Landesschule Korbach ab. Von 1963 bis 1970 studierte er Literaturwissenschaft an der FU und der TU
Berlin, wo er 1970 bei Walter Höllerer mit der Arbeit „Der Held und sein Wetter“ promovierte.
Von 1970 bis 1973 war er Lektor bei Wagenbach, von 1973 bis 1978 bei Rotbuch.
Seither ist er freier Schriftsteller. Er lebt in Berlin und in Rom.
Delius begann in den 60er Jahren mit gesellschaftskritischer Lyrik und dokumentarischen, oft satirischen Texten.
Seit den 70er Jahren schreibt er vorwiegend Romane, häufig zu Themen aus der Geschichte der BRD, z.B. zum Deutschen Herbst.
Friedrich Christian Delius ist Mitglied des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland und seit 1998 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

 

 

Katja Langen-Müller: Ich leih dir meinen Kopf

Laudatio auf Friedrich Christian Delius
Mich beeindruckt am stärksten, wie genau unser Preisträger den Ton seiner Figuren trifft, egal ob er sie aus der Ich -Perspektive erzählen oder miteinander reden oder, personal geführt, absolut glaubwürdige, ja ‘gefühlsechte’ Monologe und Gedankenmonologe halten lässt. […]
Literarische Begabung, soziale Leidenschaft und intellektuelle Kompetenz unseres Preisträgers mögen ‘in Tateinheit’ bewirken, dass ihm die meisten seiner Charaktere derartig kompakt und komplex geraten können, so dialektisch, im besten, eben nicht dogmatischen Sinne.

 

Friedrich Christian Delius: “Ausgerechnet am 11.September”. Dankrede

Hängen der Trend zum Analphabetismusund der neue politische Analphabetismus, hängen der ästhetische und der moralische Verfall zusammen, und wenn ja, wie? Diese Frage kann ich mit Schillers ‚Ästhetischer Erziehung‘ nur bejahen. Ohne die ‚Ausbildung des Empfindungsvermögens‘, ohne die Kultivierung der Sinne keine Freiheit.
Ich will mit Schillers Autorität das Selbstverständliche unterstreichen, das inzwischen auch Hirnforschung und Bildungsforschung belegen: Ohne musische Fähigkeiten gibt es keine gesellschaftlichen Fähigkeiten, ohne Emotionalität keine Vernunft, ohne ein Sensorium für die Künste gibt es kein Sensorium für Demokratie, ohne die Literatur, beispielsweise, versinken wir in Barbarei.

 

Preise (in Auswahl)

1967 Preis Junge Generation zum Kunstpreis Berlin
1971 Villa-Massimo-Stipendium
1989 Gerrit-Engelke-Preis
2004 Walter-Hasenclever-Literaturpreis
2004 Fontane-Preis für Literatur
2007 Schubart-Literaturpreis
2007 Preis des Verbandes der deutschen Kritiker
2007 Joseph-Breitbach-Preis

 

Werke (in Auswahl)

Kerbholz, 1965
Wir Unternehmer, 1966 (zusammen mit Karl-Heinz Stanzick)
Der Held und sein Wetter. Dissertation, 1971
Unsere Siemens-Welt, 1972
Ein Bankier auf der Flucht, 1975
Ein Held der inneren Sicherheit, 1981
Adenauerplatz, 1984
Mogadischu Fensterplatz, 1987
Japanische Rolltreppen, 1989
Die Birnen von Ribbeck, 1991
Himmelfahrt eines Staatsfeindes, 1992
Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde, 1994
Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus, 1995
Die Verlockungen der Wörter oder Warum ich immer noch kein Zyniker bin, 1996
Die Flatterzunge, 1999
Der Königsmacher, 2001
Mein Jahr als Mörder, 2004
Bildnis der Mutter als junge Frau, 2006

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *