Herta Müller, Preisträgerin 2006

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Foto: Bettina Flitner

Herta Müller wurde 1953 in Nitzkydorf, im deutschsprachigen rumänischen Banat geboren.
Nach dem Abitur studierte sie von 1973 bis 1976 an der Universität Temeswar Germanistik und rumänische Literatur. Ab 1976 arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, wurde allerdings 1979 nach ihrer Weigerung, mit der rumänischen Securitate zusammenzuarbeiten, entlassen. Sie verdiente ihren Lebensunterhalt mit zeitweiliger Lehrtätigkeit in Schulen und Kindergärten sowie mit privatem Deutschunterricht. Ihr erstes Buch Niederungen konnte 1982 in Rumänien nur in zensierter Fassung erscheinen. 1987 reiste Herta Müller mit ihrem damaligen Ehemann, dem Schriftsteller Richard Wagner, in die Bundesrepublik Deutschland aus und lebt seither in Berlin. In den folgenden Jahren erhielt sie eine Reihe von Lehraufträgen als writer-in-residence an Universitäten im In- und Ausland. 2005 war sie Heiner Müller-Gastprofessorin an der FU Berlin. Ihre Werke sind von ihrem Leben unter der Ceauscescu-Diktatur geprägt; sie befasst sich mit Sprache als Instrument von Herrschaft und Unterdrückung, aber auch als Mittel des inneren Widerstands.
Herta Müller gehörte bis 1997 dem PEN-Zentrum der Bundesrepublik Deutschland an und ist seit 1995 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

 

Norbert Otto Eke: Das ‘kleine Sagen’ und das ‘große Sagen’

Herta Müllers Gegenschrift. Laudatio
Totalitäre Systeme gründen ihre Macht auf Eindeutigkeit. Das Zweideutige, Uneigentliche dagegen wird als subversiv empfunden. Wo die Sprache der Macht Eindeutigkeit verlangt, setzt Herta Müller auf die Schaffung von Assoziationsräumen durch stilistische Doppelbödigkeit: von Worten, Symbolen, Sachverhalten. Mit einem Schreibverfahren doppelter Optik, das mit immer wieder überraschenden Bildfügungen das Lesen irritiert, sucht sie den jeweils ‘durch das Land laufenden Sehnerv’ der Macht, der herrschenden Meinung, der genormten Wahrnehmung zu blenden.

 

Herta Müller: So ein großer Körper und so ein kleiner Motor. Dankrede

Das Leben wird Literatur – wie soll es denn sonst sein. Nichts eins zu eins hab ich über Erlebtes geschrieben, nur auf Umwegen. Immer prüfe ich, ob das unwirklich Erfundene sich das wirklich Geschehene vorstellen kann.

 

Preise (in Auswahl)

1981 Adam-Müller-Guttenbrunn-Förderpreis des Temeswarer Literaturkreises
1984 Aspekte-Literaturpreis,
1985 Rauriser Literaturpreis,
1987 Ricarda-Huch-Preis
1989 Marieluise-Fleißer-Preis
1990 Roswitha-Gedenkmedaille der Stadt Bad Gandersheim,
1991 Kranichsteiner Literaturpreis
1993 Kritikerpreis für Literatur
1994 Kleist-Preis
1995 Europäischen Literaturpreis Prix Aristeion,
1997 Literaturpreis der Stadt Graz,
1998 Ida-Dehmel-Literaturpreis
1999 Franz-Kafka-Preis,
2002 Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz,
2003 Joseph-Breitbach-Preis
2004 Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung
2005 Berliner Literaturpreis
2006 Würth-Preis für Europäische Literatur
2006 Walter-Hasenclever-Literaturpreis
2009 Nobelpreis für Literatur

 

Werke (in Auswahl)

Niederungen, 1982
Drückender Tango, 1984
Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt, 1986
Barfüßiger Februar, 1987
Reisende auf einem Bein, 1989
Wie Wahrnehmung sich erfindet, 1990
Der Fuchs war damals schon der Jäger, 1992
Der Wächter nimmt seinen Kamm, 1993
Herztier, 1994
Hunger und Seide, 1995
Heute wär ich mir lieber nicht begegnet, 1997
Der fremde Blick oder das Leben ist ein Furz in der Laterne, 1999
Im Haarknoten wohnt eine Dame, 2000
Der König verneigt sich und tötet, 2003
Die blassen Herren mit den Mokkatassen, 2005

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