Marlene Streeruwitz, Preisträgerin 2002

Foto Marlene StreeruwitzMarlene Streeruwitz wurde 1950 in Baden bei Wien geboren und studierte dort Slawistik und Kunstgeschichte.
Ihre Laufbahn als Autorin begann mit dem Schreiben von Theaterstücken und mit Regiearbeit.
Seit 1992 werden ihre Theaterstücke an zahlreichen Bühnen aufgeführt. 1996 erschien ihr erster Roman, für den sie mit dem Mara -Cassens-Preis ausgezeichnet wurde. In schneller Folge sind seither Romane, Theaterstücke und Novellen erschienen. Marlene Streeruwitz nahm mehrere Gastdozenturen wahr, die in ihren theoretischen Schriften ihren Niederschlag fanden.
Die feministisch orientierte Streeruwitz gilt als eine der engagiertesten deutschsprachigen Gegenwartsautorinnen. Mit ungewöhnlicher Schärfe kommentiert sie die politischen Ereignisse in Österreich. Im März 2004 lehnte Marlene Streeruwitz den Badener Kulturpreis ab, da er ihr von Benita Ferrero-Waldner (ÖVP) hätte überreicht werden sollen. Sie lebt in Wien und Berlin.

 

Karl Riha: Laudatio auf Marlene Streeruwitz

Sie tendiert zum spielerischen Umgang mit den Mitteln des Theaters, öffnet surrealistische Einblicke und folgt collagistischen Handlungsentwürfen, dabei kommt es immer wieder zu Zeitkolorit-Anspielungen und blitzen auch sonst – wie etwa mit der feministischen Einstellung der Autorin – aktuelle Bezüge auf.

 

Marlene Streeruwitz: Dankrede

Die Behauptung vom Theater als Ort einer kritischen Gegenposition wird zum Entlastungsritual vom Stress der Mehrheit einer Gesellschaft, die die Definition Mehrheit stets bereithalten zu müssen glaubt. Unbewusst eilfertig liefert das Theater dann diese Entlastung in der historisierenden Entkontextualisierung, meist des Klassikers. […] Wenn ich also nun in einem Lexikon lese: “Hasenclevers Schriften der zwanziger Jahre und des Exils fanden literaturgeschichtlich wenig Bedeutung, unter anderem wegen der zeitlichen Gebundenheit der Stoffe”, so wird mir hier beschrieben, dass sich die Stücke Hasenclevers nicht zur Entkontextualisierung eignen, dass ihre Form und Sprache auf der beabsichtigten Kontextualisierung bestanden und darin die Literaturhaftigkeit nicht zu entziehen war.

 

Preise (in Auswahl)

1996: Mara-Cassens-Preis
2000: Österreichischer Würdigungs-Staatspreis für Literatur
2001: Hermann-Hesse-Preis
2002: Walter-Hasenclever-Literaturpreis
2008: Peter-Rosegger-Preis
2009: Droste-Preis
2012: Bremer Literaturpreis
2015: Franz-Nabl-Preis

 

Werke (in Auswahl)

Verführungen. 3. Folge. Frauenjahre., 1996
Sein. Und Schein. Und Erscheinen., Tübinger Poetikvorlesungen, 1997
Können. Mögen. Dürfen. Sollen. Wollen. Müssen. Lassen., Frankfurter Poetikvorlesungen, 1998
Lisa’s Liebe., Roman in drei Folgen, 1997
Nachwelt., Roman, 1999
Waikiki Beach. Und andere Orte., Die Theaterstücke, 1999
Majakowskiring., Erzählung, 2000
Partygirl., Roman, 2002
Jessica, 30. Roman, 2004
Morire in Levitate., Novelle, 2004
Gegen die tägliche Beleidigung., Vorlesungen, 2004
Entfernung., Roman, 2006

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