Auf den Spuren Hasenclevers in Berlin

Besuch der Berliner- Künstlerkolonie
Auf den Spuren Walter Hasenclevers in Berlin

Reisen… unterwegs sein, zu solchen Orten, ihn dadurch aufsuchen und sich ihm nähern, lokaler und direkter sehen, was er gesehen hat, durch eine Zeitbrille. Die Substanz ist erhalten, und mancherorts erinnert man sich noch, will die Wellen der Geschichte nicht vergessen, gedenkt der Tage und vor allem der Persönlichkeiten. Es ist eine Sternenkunde, die Menschen sehen in den Himmel und verstummen angesichts der Ewigkeit, früher kannten sie einmal die Namen der Sternbilder. Jetzt sind die Bezeichnungen nur vage oder schon verblasst.

Hasenclever also war in Berlin und war es auch nicht. Und wie stellt man sich eine Künstlerkolonie vor?
Vom Alexanderplatz 10 Kilometer entfernt befinden sich im Rheingauviertel östlich des Grunewalds (die Lage war bestimmt damals noch schöner) einfache Gründerzeit- und Backsteinhäuser, im Stadtteil Wilmersdorf in der Nähe der U-Bahn-Station „Breiten-bachplatz“, eingezäunt vom „Südwestkorso“ und Steglitz, in gefährlicher Nähe zur VONOVIA Immobilien Treuhand …

Die Seiten der Immobilien, die auf einen gemütlichen Platz blicken (man nennt ihn heute Ludwig-Barnay-Platz), bilden im Grunde das Karree, welches die Künstlerkolonie bildet. Übrigens auch heute noch, wie der Vorsitzende des Vereins der Künstlerkolonie betont. Wohnte also Hasenclever auf der einen Seite, konnte er von seiner Etagenwohnung aus, über den kleinen Park hinweg, seinen Freundinnen und Freunden im Geiste zuwinken. Vielleicht der Schauspielerin Steffie Spira?
Hasenclever war nach etwa sechs Jahren journalistischer Tätigkeit in Paris nun also wieder in Berlin. Im Kreise der damaligen Avantgarde, bei seinen Freunden, mit ihnen lebend, arbeitend, diskutierend.

Ich gehe umher, streife durch das Viertel und versuche, mir sein Leben vorzustellen: Rückzugsort nach Treffen mit Verlegern, Intendanten, Rundfunkleuten.

Der kleine parkähnliche Platz in der Mitte lädt zum Nachdenken ein. Hier steht auch das Mahnmal für die politisch Verfolgten der 1927 gegründeten Künstlerkolonie.
Man erinnert sich in Berlin.
Der freundliche Kontakt zum Verein der Künstlerkolonie zeigte mir jedenfalls, dass sich die Leute kümmern und ebenso viel kulturelles Programm bieten.

Hasenclever war zu der Zeit erfolgreich und gefragt. Seine Komödie „Ehen werden im Himmel geschlossen“ ist es, die hier aufgeführt wird (1928) und später in Wien vor Gericht gezerrt wird. Hasenclevers kritischer Umgang mit Autoritäten begann früh. In der Aachener Dreifaltigkeitskirche war er 1906 konfirmiert worden, nachdem er bei einem freigeistigen Theologen mit dem bezeichnenden Namen Deutelmoser einen entsprechenden Vorbereitungsunterricht genießen konnte. Das muss gesessen haben, denn den ewig existenziellen Menschheitsfragen wich Hasenclever nie aus und bewahrte sich zugleich eine kritisch-autonome Meinung zu den irdischen Institutionen und Vertretern derselben.

 

Am Hause, das Hasenclever bewohnte, gibt ein Schild Auskunft:
Hier lebte von 1930 bis 1933 Walter Hasenclever (8. 7. 1890 – 21. 6. 1940), Lyriker, Dramatiker, Repräsentant der expressionistischen Literatur, schrieb „Der Sohn“ (1913). 1917 Kleist-Preis. Kehrte Ende 1932 nicht mehr nach Deutschland zurück, blieb als Emigrant in Italien und Frankreich. Nahm sich aus Furcht vor Auslieferung an die Gestapo im Internierungslager Les Milles das Leben.“

Während seines erneuten Aufenthaltes in Berlin reiste Hasenclever viel. So war er 1930 in Amerika, 1932 auch in Marokko. Es gibt noch so viele Orte, über die man sich ihm nähern könnte.
Wir genießen den kleinen Spaziergang durch das Viertel der Künstlerkolonie, nehmen die vielen kleinen Schilder wahr, die an frühere Künstler erinnern, lesen im Programm des Vereins, dass auch durch entsprechende Darbietungen und Lesungen an diese Künstler erinnert wird.
Beeindruckt und bewegt nehmen wir Abschied:
Hasenclever ist auch in Berlin nicht vergessen.
                                                                                                                                                                                                                               Mario W. Johnen

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