Der Vorstand informiert in seinen Mitgliederrundbriefen über die Aktivitäten der Gesellschaft. Den aktuellen Rundbrief von Mai 2026 finden Sie hier auch als Download.
AUF WIEDERSEHEN IN FLORENZ –
DR. FEDERICA ROCCHI BERICHTET VON DEUTSCHEN EXILANTEN ZWISCHEN 1933 UND 1945 IN ITALIEN
Zum ersten Mal nahm die WHG in diesem Jahr mit einem eigenen Beitrag am Begleitprogramm des Karlspreises 2026 teil. Kooperationspartner waren das Katechetische Institut mit Dr. Alexander Schüller, die Stadt Aachen und der internationale Karlspreis mit Olaf Müller und die jüdische Gemeinde.
Dr. Rocchi von der Universität in Perugia, die für ihre Monografie über deutsche Emigrantenliteratur in Italien 2022 eng mit Jürgen Lauer, dem ehemaligen Vorsitzenden der WHG, zusammengearbeitet hatte, berichtete am Samstag 18. April im Auditorium des CENTRE CHARLEMAGNE von den Schicksalen jüdischer Autorinnen und Autoren, die im faschistischen Italien bis 1938 verhältnismäßig unbehelligt leben konnten, dann aber nach Übernahme der deutschen Rassegesetze verfolgt und ausgewiesen wurden.
Frau Rocchi schilderte auch das Schicksal und die Verhaftung Hasenclevers, der in der Nähe von Florenz ein Landgut besaß, aber nach einem Gefängnisaufenthalt traumatisiert nach Frankreich floh. Heinrich Himmler hatte anlässlich des Staatsbesuches von Adolf Hitler in Italien 1938 die Verhaftung von 500 deutschen Flüchtlingen mit einer namentlichen Liste gefordert.
In zweijähriger Arbeit hatte die italienische Literaturwissenschaftlerin auch das Landschulheim in Florenz in ihre Forschungen einbezogen, in dem fast 100 jüdische Kinder bis 1938 unterrichtet wurden. Von der italienischen Zivilbevölkerung gab es für dieses Schulprojekt mutige und unbürokratische Unterstützung. Der Historiker Klaus Voigt hat in seinem Werk ZUFLUCHT AUF WIDERRUF die Ängste der Exilanten expliziert: Wo kann ich Arbeit finden? Werde ich doch auf deutschen Druck aus Italien ausgewiesen? Wie kann ich meine Familie und mich ernähren? Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und dem Stahlpakt zwischen Italien und Deutschland wurde die Situation der jüdischen Mitbürger unhaltbar – so wurden zum Beispiel Lager eingerichtet, die auf d ie Deportation vorbereiteten.
Frau Dr. Rocchi machte in ihrem in die Tiefe gehenden Vortrag auf diese Verbrechen und Schicksale aufmerksam und erläuterte nach ihren Ausführungen in einer lebhaften Diskussion den historischen und literarischen Kontext. Max Krell und Alice Berend sind die Namen von zwei bedeutenden Persönlichkeiten, die dem Vergessen für einen kurzen Moment entrissen wurden. Ein lebendiger Abend mit einer gewinnenden Referentin!
Der Dank der WHG geht auch an Olaf Müller, der für das Begleitprogramm die Bedeutung dieses besonderen inhaltlichen Akzents durch Dr. Federica Rocchi hervorhob, und an Axel Schneider, den Vorsitzenden der WHG, der die Veranstaltung moderierte.
Den Bericht können Sie auch hier downloaden. Axel Schneider 21.4.2025

