George Tabori

 

George Tabori

Aus der Danksagung für seine Ehrung mit dem Hasenclever-Preis 1998
(WHG-Jahrbuch 1998/99, S. 79–80):

„Man muss der Stadt Aachen dankbar sein, dass sie ihren Sohn Walter Hasenclever aus dem Dunkel hervortreten lässt. …

1933 kam, was man höflich ‚die Machtergreifung’ nennt.
Hasenclever lebte in Paris, aber in seinen Briefen findet sich keine Reaktion auf die Ereignisse in Deutschland. Nicht aus Diskretion.
Wie viele von uns hat er damals die Nazis nicht ernst genommen.
Erst später hat er sich als Emigranten beschrieben.
Er war nicht ‚politisch’ wie er sagte. Aber bald wurde alles politisch …

Was treibt ihn umher?
Er reist ruhelos durch Europa, geht nach Lotusland in Hollywood, arbeitet am Film ‚Anna Christie’ für eine gewisse Greta Garbo.
Wie viele andere hasst er die Konfektionsarbeit, er kehrt nach Frankreich zurück.

Er mag es nicht zugeben, aber er ist ein klassischer Emigrant geworden.
Es fällt ihm schwer, dies zu akzeptieren, weil er sehr deutsch ist.
Aber das Vaterland ist nicht mehr das Land der Väter. Emigration wird ein böses Wort.

Und es sind die besten Deutschen – Tucholsky, die Brüder Mann, Brecht, Feuchtwanger, Döblin, Anna Seghers, Zuckmayer und viele, viele andere – die vertrieben sind …

Ich blättere in den Briefen, jeder sagt mir etwas.
Ich habe von Hasenclever nichts gewusst, jetzt ist er mein Bruder.
Vielleicht, weil immer wieder das, was ihn zu retten schien, selbst wenn er es als letzte Nachricht schickt, ein altmodisches Wort ist: die Liebe …

Ich danke denen, die mich dieser Ehrung für würdig gehalten haben,
und ich danke der Stadt Aachen, die mir diesen schönen Preis verliehen und mir diesen Bruder geschenkt hat.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.