George Tabori, Preisträger 1998

GeorgeTaboriGeorge Tabori wurde 1914 in Budapest geboren. Nach der Matura begann er im Herbst 1932 eine Hotelfachlehre in Berlin , kehrte aber bereits ein halbes Jahr später nach Budapest zurück, da die nationalsozialistische Machtergreifung ihn als Juden aller Perspektiven beraubte. Er studierte drei Jahre in Budapest, ging 1936 nach London zu seinem Bruder Paul und arbeitete als Journalist und Übersetzer.
1941 wurde er britischer Staatsbürger und übte für zwei Jahre nachrichtendienstliche Tätigkeiten für die British Army aus. In dieser Zeit entstand sein erster Roman Beneath the stone (1943) 1947 siedelte Tabori in die USA über und arbeitete in Hollywood als Drehbuchautor. Er kam in Kontakt mit zahlreichen deutschen
Exilanten wie Bertolt Brecht, Thomas Mann, Lion Feuchtwanger und Theodor W. Adorno. Tabori wurde nun Regisseur und Theaterautor. 1966 gründete er die freie Theatergruppe “The Strolling Players”. 1969 kehrte er erstmals nach Deutschland zurück und inszenierte am Berliner Schiller-Theater mit großem Erfolg seine Stück Die Kannibalen. Er siedelte 1971 nach Deutschland über und gründete 1975 das “Bremer Theaterlabor”. Von 1987 bis 1990 leitete Tabori das Theater “Der Kreis” in Wien und wechselte dann an das von Claus Peymann geleitete Burgtheater, wo er mit der Inszenierung seiner Stücke Mein Kampf, Goldberg Variationen oder Weismann und Rotgesicht den eigentlichen Höhepunkt seiner Karriere erlebte.
Seit 1999 arbeitete er am Berliner Ensemble. Tabori starb am 23.Juli 2007 und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof bestattet.

 

Hans-Peter Bayerdörfer: Laudatio auf George Tabori

Die entscheidende Leistung, die der Stückeschreiber Tabori mit seiner eigenen Exils-Sprach-Erfahrung für das deutsche Drama erbracht hat, ist die Erneuerung und Wiederaufwertung des Dialogs.
Mit den Sprachfunden, die ihm das dritte Ohr des Fremdbleibenden einträgt, bestückt er die Scharniere des Gesprächs, das in all seiner Dynamik und Subtilität die Stücke trägt. Und er schafft dazu die dramatischen Voraussetzungen mit den zwillinghaften Figurenpaaren, die einander in skurriler Zuneigung, in der Verbindung von Hass und Liebe, als Täter und Opfer, unersetzlich sind und bleiben. (…)
Es geht um ein deutschsprachiges Theater im Kontext seiner literarischen und und theatralen Nachbarsprachen. Das kulturgeschichtliche Legat dieser Theaterlandschaft besteht darin, dass die – politischen wie theatralen – Vorhänge durchlässig werden. Und es gehört zu diesem Kontext, dass in diesem Zusammenhang auch wieder der Klang jener kulturellen und geistigen Traditionen vernehmbar wird, die das europäische Judentum in alle diese Sprachen eingebracht hat. Kein anderer Autor könnte der europäischen Dramatik deutscher Sprache diese Dimension mit größerer Authentizität und Legitimation vermitteln als George Tabori. Damit kommt ihm als Dramatiker derselbe Rang zu, der unter Lyrikern etwa Nelly Sachs, Paul Celan oder Hilde Domin zusteht.

 

George Tabori: Danksagung

Man muss der Stadt Aachen dankbar sein, dass sie ihren Sohn Walter Hasenclever aus dem Dunkel hervortreten lässt. […] Ich blättere in den Briefen, jeder sagt mir etwas. Ich habe nichts von Hasenclever gewusst, jetzt ist er mein Bruder. Vielleicht, weil immer wieder das, was ihn zu retten schien, selbst wenn er es als letzte Nachricht schickt, ein altmodisches Wort ist: die Liebe.

 

Preise (in Auswahl)

1983: Mülheimer Dramatikerpreis
1988: Theaterpreis Berlin
1988: Josef-Kainz-Medaille der Stadt Wien
1990: Peter-Weiss-Preis
1992: Georg-Büchner-Preis
1994: Bundesverdienstkreuz 1.Klasse
1995: Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien
1998: Walter-Hasenclever-Literaturpreis
2001: Nestroy-Preis
2001: Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

 

Werke

Theaterstücke

Die Kannibalen, 1969
Sigmunds Freude, 1975
Talk Show, 1976
Mutters Courage, 1979
Peepshow, 1984
Schuldig geboren, 1987
Mein Kampf, 1987
Weisman und Rotgesicht, 1990
Goldberg-Variationen, 1991
Requiem für einen Spion, 1993
Die Massenmörderin und ihre Freunde, 1995
Die Ballade vom Wiener Schnitzel, 1996
Letzte Nacht im September, 1997
Die Brecht-Akte, 1999
Gesegnete Mahlzeit, 2007

 

Prosawerke

Die Reise, 1959
Unterammergau oder Die guten Deutschen, 1981
Autodafé. Erinnerungen, 2002
Meine Kämpfe, 2002
Son of a bitch. Roman eines Stadtneurotikers, 2003
Ein guter Mord. Roman, 2004
Gefährten zur linken Hand. Roman, 2004
Tod in Port Aarif. Roman, 2004
Der Spielmacher. Gespräche mit George Tabori, 2004
Exodos. Fortgesetzte Erinnerungen, 2004

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