2020

2020

Walter-Hasenclever-Literaturpreisträgerin 2020: Marica Bodrožić.

Mit der Pressekonferenz vom 27. Januar war es kein Geheimnis mehr: Marica Bodrožić machte das Rennen! Die Kulturberichterstattung der Aachener Zeitungen ging ausführlich auf diese neue Preisträgerin ein.

Am 28. Januar lautete die Schlagzeile in der AZ / den AN:

Poetisch, philosophisch und politisch
Die Schriftstellerin Marica Bodrožić kann ein vielschichtiges Werk vorweisen.
Dafür erhält sie in Aachen den Hasenclever-Preis.

Aus den Aachener Tagesszeitungen (sar):
Sie ist in der Sprache mit Leidenschaft unterwegs und bewegt sich wie eine geübte Schwimmerin durch die unterschiedlichsten literarischen „Gewässer“ –
von der Poesie über essayistische Arbeiten bis hin zum Roman. Ihr Ziel: die „Ankunft in Wörtern“. Nicht ohne Grund trägt ihre im April 2019 erschienene Aufsatzsammlung den Titel „Poetische Vernunft im Zeitalter gusseiserner Begriffe“. Eine besondere Kraft geht von Marica Bodrožić (46) aus. Die deutsche Autorin kroatischer Abstammung hat auch die Walter-Hasenclever-Gesellschaft überzeugt.

Der Schriftstellerin, die in Berlin mit Mann und Tochter lebt, wird man am Sonntag, dem 22. November um 11 Uhr im Aachener Ludwig Forum für Internationale Kunst den mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreis überreichen, der alle zwei Jahre in Gedenken an den 1890 in Aachen geborenen Walter Hasenclever verliehen wird – zuletzt 2018 an Robert Menasse.
„Wir haben in der Jury erkannt, dass bei ihr das Poetische als Kategorie sowohl des Philosophischen als auch des Politischen entfaltet wird“, sagt Mario Walter Johnen, Vorsitzender der Hasenclever-Gesellschaft, über das ‚europäisch-pazifistisch ausgerichtete‘ Werk der Schriftstellerin. Mit Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs Aachen, Maria Behre, Kulturbeauftragte am Einhard-Gymnasium (Hasenclevers einstiger Schule) und Hans-Joachim Hahn, Literaturwissenschaftler an der RWTH Aachen sind zur Verkündung des Preisträgernamens Vertreter aller Einrichtungen gekommen, die die Auszeichnung tragen und lebendig erhalten.
Herkunft, Ankunft, Zukunft – diese drei Begriffe charakterisieren das vielschichtige Gesamtwerk der Preisträgerin. Im historischen Umfeld sieht Olaf Müller, Gründungsmitglied der Gesellschaft, die seit 1996 besteht, zudem den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz sowie Daten aus Hasenclevers Biografie: Vor 130 Jahren wurde der Autor geboren, musste als Regime-Gegner ins Exil flüchten, kam jedoch in ein Internierungslager, wo er sich vor 80 Jahren tötete.

„Erinnerung“, wie sie Marica Bodrožić als Katalysator für Veränderung fordert, gehörte zu Hasenclevers mahnenden Forderungen.

 

Wie denkt, wie schreibt Marica Bodrožić ?

Im Monat Februar begann eine rege Sammel– und Lesetätigkeit in den Werken der neuen Preisträgerin. Doris Lauer entdeckte die Sprachphilosophin in ihrem Buch „Das Auge hinter dem Auge“:
Aus einer Poetikvorlesung mit dem Titel „Über das Erscheinen im Raum“ notierte sie:
„Die Sprache erst bringt hervor, was durch früh Erfahrenes, Beobachtetes, Erlebtes im Menschen angelegt ist, bevor dieser seinen Blick auf die äußere Wirklichkeit richtet. Der früh erfahrene „Blick hinter dem Blick“ lässt ihn nicht nur sehend, sondern auch handelnd Wahrheiten und Empfindungen erfassen und schreibend verarbeiten. Schreiben ist „selbsttätiges Verstehen“. Es geht dabei „nie um die reine Faktenlage, sondern um die Anordnung der Dinge im eigenen Geist“.

Für Maria Behre ist „Sterne erben, Sterne färben“ die grundlegende Poetologie des Gesamtwerks von Marica Bodrožić. Das poetologische Verfahren ist „das zentrale Motiv des ‚Unterwegsseins‘ als Bewegung von der Herkunft aus unsagbaren Lebensbedingungen zur ‚Ankunft in Wörtern‘. Diese äußere und innere Bewegung in Raum und Zeit bedeutet „Unterwegssein als Befreiung zum Lebenssinn, als Befreiung der inneren Stimme, zur offenen Perspektive, zum Überblick, zum Energiegewinn“.

Axel Schneider (Bild) kam zu einer ersten Begegnung mit der Autorin mit der Lektüre von „Tito ist tot. Erzählungen“. Für ihn behandeln die Geschichten, die sie erzählt, zentral die Frage: „Welche Art von Leben möchte ich leben?“
Die Schicksale, die die Autorin in der politischen Wirklichkeit Jugoslawiens nach Tito beschreibt, werden erzählt in der Ausweglosigkeit, aus Erfahrungen Konsequenzen zu ziehen, die die Gesellschaft durchgreifend verändern könnten. „Es bleibt dann oft nur der Weg in die Fantasie um den Preis, zum gesellschaftlichen Außenseiter zu werden. Die Freude an Ästhetik und Sprachspiel führt nicht zu einer durchgreifenden Änderung, sondern zu noch stärkerer Vereinsamung.“ Die Sprache der Autorin ist in Teilen wunderbar: Empfindsam, genau, persönlich.

 

Mitgliederversammlung im Februar

In den ersten Wochen des neuen Jahres 2020 war für den Vorsitzenden Mario Walter Johnen immer deutlicher geworden, dass die WHG-Arbeit und der Vorsitz in der Literaturpreis-Jury nicht mehr mit seinen familiären und beruflichen Verpflichtungen zu vereinbaren waren. So hatte der Vorstand im Vorfeld der Jahreshauptversammlung 2020 an Jürgen Lauer die Frage gestellt, ob er den Vorsitz übernehmen könne. Er sagte zu.

Ein Tagesordnungspunkt der am 17. Februar im urigen „Kapellchen“ Burtscheid stattfindenden Mitgliederversammlung war dementsprechend die Neuwahl des Vorstands.
Mario Walter Johnen erläuterte der Versammlung noch einmal die Gründe für seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur.
Auch Frau Dr. Raffaele Louis erklärte, aus familiären und beruflichen Gründen nicht mehr für den Vorstand zu kandidieren. Beiden dankte die Mitgliederversammlung für ihren Einsatz und die gute Zusammenarbeit.

Die Vorstandswahlen ergaben folgende Ämterverteilung:

Erster Vorsitzender: Jürgen Lauer
Zweite Vorsitzende: Miriam Trutnau
Schatzmeisterin: Dr. Stephanie Wolff-Rohé
Schriftführerin: Dr. Maria Behre
Beisitzerin: Doris Lauer

Der neue Vorsitzende gab einen Ausblick auf die Veranstaltungen des Jahres:
Eine eigene Buchveröffentlichung zu Hasenclevers Komödie „Ehen werden im Himmel geschlossen“, eine Gedenkveranstaltung zu Hasenclevers 80. Todestag und 130. Geburtstag mit szenischer Lesung des StücksKonflikt in Assyrien mit der Schauspielertruppe des Theater K und einem wissenschaftlichen Vortrag von Prof. Dieter Breuer, sowie  die erneute Teilnahme am Vereinstag „Ehrenwert“, nachdem der vorjährige wegen Sturmwarnung hatte ausfallen müssen.

Der literarische Ausklang der Versammlung galt dem literarischen Werk der neuen Preisträgerin Marica Bodrožić. Unter dem fast vollständigen Angebot der Publikationen der Preisträgerin hob Maria Behre besonders das Werk Sterne erben – Sterne färben heraus.
Für sie ist dieses Buch so etwas wie eine grundlegende Poetologie des Gesamtwerks der Schriftstellerin. Das aktive WHG-Mitglied Axel Schneider las seine Rezension ihres Erzählbandes  Tito ist tot. Doris Lauer hatte eine sprach-philosophische Passage im Essay-Band Poetische Vernunft im Zeitalter gusseiserner Begriffe gefunden und trug sie vor.

 

Wie nachhaltig diese Kennenlern-Stunde im Gedächtnis der Mitglieder haften konnte, lässt sich dem Bericht des Mitglieds Werner Lorenz entnehmen:

„Was für eine Überraschung durfte ich erleben!

Also erstmal das Lokal: Es gab einen separaten Raum, er war hell und mit Fenstern und wie bei einem runden Tisch standen die Tische, wenn auch im Karree, so dass – anders als in dem gewohnten Treff in der Stadt – man ins Gespräch kommen konnte – und das geschah auch, ausgiebig.
Und dann die Preisträgerin.

Unsere Kulturbeauftragte hatte einen Büchertisch vorbereitet, und ich war doch ein bisschen peinlich berührt: so viele – und ich kenne keins?
Und da lagen nun die Bücher nicht nur, man hatte sie auch (hoffentlich nicht alle!) gelesen und stellte sie vor, so dass ich inzwischen drei zu Hause habe und zwei teils mit Bewunderung, teils mit Vergnügen, teils mit Spannung gelesen habe.
Und den Namen aussprechen kann ich auch, was für einen, der mit den Namen Marika Rökk und Gräfin Mariza was anfangen kann, ganz schön schwierig war. Mit anderen Worten: die neue Preisträgerin ist eine Entdeckung, und ich bin gespannt auf die Preisverleihung.

Und dann der Neuanfang!
Wie schön, dass ein neuer Wind weht in der Gesellschaft, neue, wenn mir auch nicht unbekannte Akteure, neue Ideen, eine neue Ausrichtung der Preisträger:

Hut ab! Ich bin mit dem Gefühl nach Hause gefahren, dass die Walter-Hasenclever-Gesellschaft auf einem guten Weg weitergeht.“

 

Neues Jahrbuch der Gesellschaft erschienen

Dieses Jahrbuch, so betont der Vorsitzende Mario Walter Johnen im Editorial, wurde – und wird zukünftig – vom gesamten Vorstand der Gesellschaft herausgegeben. Seine inhaltlichen Teile bleiben den vier Bereichen zugeordnet, die die Arbeit der Gesellschaft ausmachen:

Erinnerungs- und Forschungsarbeit zum Leben und Werk Walter Hasenclevers —  literaturkritische und persönliche Beiträge zur jeweiligen Preisträgerin / zum jeweiligen Preisträger —   Berichte und Ertrag schulischer Arbeit zum Werk von Autorinnen und Autoren rund um die Preisverleihungen — und  literaturwissenschaftliche, sprachphilosophische oder feuilletonistische Beiträge und Essays.

Mit einem  solchen philosophischen Beitrag beginnt der Band 11 des Jahrbuchs: Die drei Unübersichtlichkeiten unserer Moderne, verfasst vom Leiter der Evangelischen Stadtakademie Aachen (und einem Mitglied in der letzten Preisjury ) Dr. Uwe Beyer.

Im Mittelpunkt steht, wie in diesen Jahrbüchern gewohnt, der aktuelle Preisträger, hier des Jahres 2018, Robert Menasse. Seine fulminante Dankesrede ist neben der Laudatio und dem Gespräch mit Carlos Fraenkel im vollen Wortlaut zu lesen.

Zur Hasenclever-Forschung gibt es einen Aufsatz zu einem bisher unbearbeiteten Feld, in dem Jürgen Lauer den Einfluss des Historikers (und  Doktorvaters) Karl Lamprecht auf Hasenclevers historisches Denken untersucht. Er thematisiert ebenfalls eine bisher unbekannte Rezension Hasenclevers zu Friedrich Sieburgs bekanntem Buch „Gott in Frankreich?“ von 1929 und die Beziehung zwischen den beiden Autoren in der politischen und ideologischen Entwicklung in beiden Ländern.

Eine neue Rubrik „Hasenclever-Feuilleton“ soll zur Auflockerung beitragen , damit ein Jahrbuch nicht zu einem „Textgrab“ wird.  In diesem Band werden die Spuren Walter Hasenclevers an verschiedenen Orten verfolgt, von Mario Walter Johnen in Berlin, von Maria Behre in Aachen und von Jürgen Lauer in Paris.

Die Rubrik „Aus der Unterrichtsarbeit“ zeigt zu Robert Menasse und Carlos Fraenkel eindrucksvoll auf über zwanzig Seiten, wie eine Gesellschaft durch die Interessen, die Auseinandersetzung und die Denkweise junger Menschen bereichert werden kann.

Es soll am Schluss nicht unerwähnt bleiben, dass die gesamten Druckkosten dieses Jahrbuchs beglichen wurden durch großzügiges Sponsoring von Dr. Mariola Söhngen und Dr. Wolfgang Söhngen aus Aachen sowie Dr. Klaus Tacke aus Warschau. Sie sind keine eingeschriebenen Mitglieder der Gesellschaft, aber auf besondere Weise deren Freunde. Der Vorstand dankt ihnen herzlich im Namen aller Mitglieder.

 

 

Ein Buch über die Preisträgerin zur Preisverleihung

So präsentiert sich das knapp 110 Seiten umfassende Büchlein, das laut Verlagshinweis Zugänge zu Marica Bodrožićs Buch „Sterne erben, Sterne färben“ bietet, aber viel mehr darüber hinaus.
Die Publikation der beiden Autorinnen und Herausgeberinnen Dr. Maria Behre und Miriam Trutnau entstand in Zusammenarbeit mit begeisterten Leserinnen und Lesern der Bücher der neuen Preisträgerin, sei es im Gespräch mit Mitgliedern der Gesellschaft oder mit Schülerinnen und Schülern der Lerngruppen im Einhard-Gymnasium, die sich damit beschäftigten, in gemeinsamen Erkundungen in der Gedankenwelt der Schriftstellerin, Reflexionen und Interpretationen festzuhalten.

Dies dürfte wohl ein sehr seltenes Geschenk sein, das eine Literaturpreisträgerin am Ort der Verleihung entgegennehmen kann. (Das Buch ist erhältlich in den Buchhandlungen: Buchhandlung am Markt in Brand,  Buchhandlung Backhaus Jakobstraße, Buchhandlung Schmetz am Dom und  Worthaus Gregorstraße Burtscheid  zum Preise von 7 Euro.)

 

Ein weltweit beachteter Skandal – im Buch wieder lebendig

Ehen werden im Himmel geschlossen
Walter Hasenclevers Komödie wurde zwischen den Jahre 1928 und 1930 in Europa und darüber hinaus ein Skandalthema.
Es gab Protestkundgebungen, Strafanzeigen, einen Gotteslästerungsprozess und sogar Aufführungsverbote. Warum?
Die Komödie spielt zum Teil im Himmel, wo der Liebe Gott – im Golfdress – mit Heiligen sehr diesseitig argumentiert und sogar Experimente mit Ehepaaren und Liebhabern zulässt.
Der Arcadia-Bühnenverlag versuchte, die Aufführungsverbote zu umgehen. Er ließ die inkriminierten Akte aus dem Himmel in die Götterwelt des Olymp verlegen. Diese Textfassung aber war über 90 Jahre unauffindbar. Die Bearbeiter der „Sämtlichen Werke“ gingen davon aus, dass Hasenclever selbst diese neue Fassung vorgenommen hatte.
Der Hasencleverforscher Gregor Ackermann hat vor wenigen Jahren ein Exemplar dieser ‚olympischen‘ Fassung entdeckt, und es gehört nun zum literarischen Nachlass Hasenclevers im Deutschen Literaturarchiv in Marbach.
Jürgen Lauer verglich sie mit der Originalfassung und ging der Frage nach, ob Hasenclever als Autor in Frage kommt.
Er kommt übrigens als Autor nicht in Betracht. Gut so. Eine antike Schicksals– oder Moralinstanz wie der Olymp der alten Griechen, die nur eine konstruierte Verbindlichkeit vertritt, taugt nicht zur Satire. Es gab übrigens nicht nur eine, sondern vier ‚olympische‘ Fassungen, in Amsterdam, Wien, Hamburg und Berlin.
„Rettungsversuch für eine umstrittene Komödie“ (ISBN 978-3-922697-37-4)  ist in den Buchhandlungen zu haben, die in der Walter-Hasenclever-Gesellschaft Mitglied sind. Der Kaufpreis von 11 Euro kommt in voller Höhe der Walter-Hasenclever-Gesellschaft zugute.

Positiv nahm die wissenschaftliche  Literaturkritik das Buch zur Kenntnis. Es sei dem Verfasser eine vorbildliche Edition gelungen, urteilte Prof. Werner Jung von der Universität Duisburg in der Onlinezeitschrift literaturkritik.de

 

Corona-Pandemie: Absagen, Verschieben, Suchen nach neuen Formen

Die Verleihungsurkunde war schon fertig gestaltet. Nun musste sie auf die tatsächliche Verleihung warten.
Nach dem ersten strengen Lockdown wurde klar, dass die Preisverleihungsfeier unter stark eingeschränkten Bedingungen stattfinden müsste, vor allem, was die Besucherzahlen anging.

Dann gab es Überlegungen, mit einer kleinen Delegation Marica Bodrožić den Preis in Berlin zu überreichen. Im Verlauf des Herbstes war die Absage der Veranstaltung nicht mehr zu vermeiden. Es sollte aber zum vorgesehenen Zeitpunkt im November eine Pressekonferenz mit Übertragung einer Videobotschaft der Preisträgerin abgehalten werden. In der Literaturpreis-AG des Einhard-Gymnasiums hoffte man, im November mit Marica Bodrožić eine Videokonferenz durchführen zu können.

Die für den 21. Juni geplante Gedenkveranstaltung zum 80. Todestag und zum 130. Geburtstag Hasenclevers mit Szenen aus seinem letzten Stück „Konflikt in Assyrien“ und einem wissenschaftlichen Vortrag dazu war ebenfalls abgesagt worden, mit der Aussicht, sie im Jahr 2021 in dieser Form nachzuholen.

 

Ausstellung mit Walter Hasenclever landesweit angeboten

An den Vorstand der WHG als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Literarischen Gesellschaften waren im Februar 2020 die Veranstalterinnen einer bundesweiten Ausstellung herangetreten, die von Dezember 2020 bis Dezember 2021 gezeigt werden soll:

Was bleibet aber …LITERATUR IM LAND.

Sie baten um Text– und Bildmaterial zu Walter Hasenclever, der für die Nordrhein-Westfalen-Auswahl vorgesehen war. Der Vorsitzende der WHG stellte dieses Material unter dem Stichwort „Walter Hasenclever, ein Autor der Verbrannten Bücher“ zusammen.
Trotz der im Laufe des Jahres zunehmenden Corona- Beschränkungen steht die Ausstellung und kann abgerufen werden. Die NRW-Auswahl zeigt Walter
Hasenclever neben so bekannten Dichterpersönlichkeiten wie Else Lasker-Schüler, ferner Annette von Droste-Hülshoff und Christian Dietrich Grabbe, aber auch weniger bekannte wie Ilse Kibgis (1928–2015), die sich in ihren Werken mit den Menschen des Ruhrgebiets befasste, und Gustav Sack (1885–1916), der in seinem kurzen Leben dem literarischen Expressionismus wichtige Impulse gab.

Die in allen Bundesländern identischen Thementafeln handeln von
Aufklärung – Bündnissen – Exil – Flucht
Freiheit – Krieg – Lebensformen – Revolution – Utopie – Widerstand – Zensur – Zwietracht.

Ob diese Ausstellung auch in Aachen gezeigt werden kann, erlaubte zum Zeitpunkt der redaktionellen Bearbeitung keine konkreten Überlegungen.
Zu unsicher war die Entwicklung der coronabedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

 

Neue Kommunikationsform für die WHG-Mitglieder: Rundbriefe

Im November 2020 erfolgte mit dem ersten achtseitigen Rundbrief des Vorstands der Start einer neuen, zusätzlichen Kommunikationsform zwischen WHG-Vorstand und den Mitgliedern, der sich durch das aktuelle coronabedingte Erfordernis empfahl, persönliche Kontakte und schon gar Versammlungen zu vermeiden. Aber unabhängig von dieser besonderen Situation schien dem Vorstand im Zeitraster zwischen kurzen aktuellen E-Mail-Informationen, der ebenfalls schnell zu aktualisierenden Homepage und den Jahrbüchern als „Arbeitsnachweis“ der Gesellschaft eine ausführlichere Mitteilungs- und gegebenenfalls Diskussionsmöglichkeit in Form dieser achtseitigen Broschüren zumindest einen Versuch wert.

 

Denkwürdiges Gespräch der Preisträgerin mit den Schülerinnen und Schülern des Einhard-Gymnasiums

Aus dem ausführlichen Bericht im Jahresmagazin 2020 des Einhard-Gymnasiums von den Vorbereitungen der Schülerinnen und Schüler zu der Videokonferenz mit Marica Bodrožić ein kleiner Auszug:

„Unsere schulischen Vorbereitungen mussten wir, getragen von der Literaturpreis-AG, seit Mitte März anders gestalten. Durch den Distanzunterricht bestand die große Chance zur intensivierten häuslichen Lektüre, die durch den elektronischen Austausch unterstützt werden konnte. Mithilfe der großzügigen Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer des Einhard-Gymnasiums, welcher den Literaturpreis fördert, konnten wir in diesem Jahr einen Klassensatz der grundlegenden Biographie und Poetologie der Preisträgerin, „Sterne erben, Sterne färben“ anschaffen.
Unsere Literaturvermittlung beinhaltet auch die Vergabe von Facharbeiten in der Stufe Q1 zum Werk der Preis-träger, welche in diesem Jahr gemäß den verschiedenen individuellen Interessen der beteiligten drei Schülerinnen verfasst wurden: zum einen zur kosmischen Metaphorik und zum andern zur Thematisierung der Existenz als Künstlerin sowie zur Frage des Zusammenhangs von Leben und Lesen überhaupt, dem Glücksversprechen, dass Lesen ein gelingendes Leben fördert.“

Am 20. November 2020 fand dann das eineinhalbstündige Gespräch mit der Preisträgerin statt, von der Fernsehjournalistin Bettina Staubitz begleitet und abends im WDR 3—TV in einem kleinen Filmbericht vermittelt.

Die Schülerin Soufian Bakhada äußerte sich bewundernd, „wie eine Schriftstellerin auf ihre eigene, persönliche Weise trotzdem für uns alle eine klare eigene Botschaft vermitteln kann, und das in einer Poesie, die sehr bewegt.“

Und Marica Bodrožić: „Die geistige Begegnung gerade in dieser Zeit als Schriftstellerin mit Menschen, die bedeutet mir sehr viel.“

 

Ausblick auf das Jahr 2021 – und ganz nebenbei — auf das 25jährige Bestehen der WHG:

Es gibt für Realitätssinn und Pragmatismus die gute alte Redewendung „Auf Sicht fahren“.
Etwas anderes empfiehlt sich auch nicht zu Beginn des Jahres 2021, angesichts der noch sehr unsicheren Einschätzungen, wann das normale kulturelle und soziale Leben wieder möglich sein wird.
Bis dahin werden wohl die notwendigen Besprechungen und Versammlungen in Videoschaltungen zu organisieren sein.

Eine gute Nachricht: Noch im Frühjahr ist wieder die fünfbändige Ausgabe „Walter Hasenclever – Ausgewählte Werke“ zum Preis von 40 Euro zu kaufen. Das neue Mitglied, Rechtsanwalt Joachim von Strempel (Aachen) und der Freund der Gesellschaft Dr. Klaus Tacke (Warschau) haben die gesamten Druckkosten gespendet, so dass der Erlös eines  jeden Kaufs der fünfbändigen Ausgabe der Gesellschaft direkt zugute kommt.
Ihnen sei der besondere Dank der Gesellschaft ausgesprochen.

 

Ein Ausblick auf Veranstaltungen mit öffentlicher Beteiligung kann nur das Format einer Wunschliste haben:

Ob die 2020 ausgefallene Gedenkveranstaltung an Hasenclevers Todestag, dem 21. Juni 2021 stattfinden kann, ist eher zu bezweifeln. Dasselbe gilt für seinen Geburtstag am 7. Juli.
Es wäre schön, wenn im Spätherbst – nach der ersten Welle der nachgeholten Veranstaltungen im Kulturbetrieb – diese Veranstaltung mit einem Vortrag über Hasenclevers letztes Stück „Konflikt in Assyrien“ und einer szenischen Lesung mit dem Ensemble des Theater K stattfinden könnte.
Noch schöner wäre es, wenn die im Jahr 2021 gezeigte Ausstellung „Was bleibet aber – Literatur im Land“ auch nach Aachen geholt werden könnte, und dann die Gedenkveranstaltung als Eröffnung dieser Ausstellung möglich wäre. Denn wenn Walter Hasenclever einer von nur sechs Literaten ist, die in NRW mit einer Ausstellung gewürdigt werden, sollte seine Heimatstadt zu den Ausstellungsorten gehören.

Geplant wurde schon zu Beginn des Jahres, die reale Literaturpreisverleihung an Marica Bodrožić am 7. November im Ludwig Forum vorzunehmen, nach ihrer Lesung dortselbst einen Tag zuvor.
Auch das bereits am 20. November 2020 als Videokonferenz geführte Gespräch der Preisträgerin mit Schülerinnen und Schülern des Einhard-Gymnasiums soll am Vormittag des 8. November 2021 in persönlicher Begegnung fortgesetzt werden.

Bald nach diesem Event wird das neue Jahrbuch Band 12 erscheinen, das dem arg „zerstückelten“ Preisverleihungsgeschehen um Marica Bodrožić eine aktuelle geschlossene Darstellung widmen wird, mit Laudatio, Dankesrede und anderen Würdigungen ihrer Schriftstellerpersönlichkeit.
Es wird eine neue Rubrik enthalten unter dem Signum „Hasenclever neu gelesen“.
Schließlich wird es sich dem Thema „Hasenclever als „Prominenter“ mit köstlichen Fundstücken widmen.

Im Herbst ist auch die Zeit für die Ermittlung des nächsten Literaturpreisträgers – oder der nächsten Literaturpreisträgerin – gekommen, wie üblich mit der Zusammenstellung der Jury und der Longlist. Hier sind keine Wenn-dann-Vorbehalte zu erwarten, denn Corona hindert an vielem, doch nicht am Lesen.

Bei aller Vorsicht in der Einschätzung der Realisierungschancen – irgendwie fühlt sich das kommende Jahr für die Hasenclever-Gesellschaft doch schon ganz „normal“ an.
So möge es werden. Bis auf weiteres!    Geschrieben im Mai 2021                                                                                                                                                                                            Jürgen Lauer

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